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Hunderte erinnern an Verhängung des Kriegsrechts in Philippinen

Nach einem halben Jahrhundert wurde tausende Opfer des Kriegsrechts entschädigt

50 Jahre nach der Verhängung des Kriegsrechts durch den damaligen philippinischen Diktator Ferdinand Marcos hat es in der Hauptstadt Manila Proteste gegen das Vergessen gegeben. Hunderte Menschen kamen am Mittwoch zu Kundgebungen zusammen und hielten Plakate mit der Aufschrift „Nie wieder“ und Bildern von Opfern des Kriegsrechts hoch.

„Ein Land, das sich nicht an seine Geschichte erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, sagte der Filmstudent John Magtibay, der an der Universität protestierte.

Marcos war 1965 zum Präsidenten der Philippinen gewählt worden, hatte am 21. September 1972 das Kriegsrecht verhängt und eine Diktatur errichtet. Seine Sicherheitskräfte unterdrückten jede Opposition und begingen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden tausende Menschen getötet und zehntausende gefoltert und inhaftiert.

1986 wurde Marcos durch einen Volksaufstand gestürzt. Er floh mit seiner Familie ins US-Exil, wo er 1989 starb. Seine Familie kehrte auf die Philippinen zurück und startete ein bemerkenswertes politisches Comeback: Seit Juni ist Ferdinand Marcos Jr., der Sohn des Diktators, Präsident. Eine Verurteilung der von Brutalität und Korruption geprägten Vergangenheit seiner Familie hatte er im Wahlkampf abgelehnt.

Der Philippinen-Experte Carlos Conde von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die Marcos-Familie auf, ihre Rolle in den „dunklen Zeiten“ der philippinischen Geschichte „zumindest anzuerkennen„.

„Ohne die Wahrheit zu sagen, ohne den Philippinern den Raum zu geben, zu verstehen und zu akzeptieren, was während des Kriegsrechts passiert ist, können wir nicht mit der Vergangenheit abschließen und nach vorne schauen“, sagte er.

Ein halbes Jahrhundert nach der Verhängung des Kriegsrechts wurden 11.103 Menschen offiziell als Opfer von Folter, Mord, Verschwindenlassen und anderen Misshandlungen eingestuft und entschädigt. Aktivisten kritisieren aber, dass die Menschenrechtsverletzungen nie ernsthaft aufgearbeitet und die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.

Quelle:
2022 AFP

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