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Die Wut auf die Null-Covid-Politik bricht sich in China Bahn

Forderung nach Ende der Lockdowns

Seit Monaten brodelt es in China unter der Oberfläche wegen der strengen Null-Covid-Politik: Massentests, örtliche Lockdowns und Reisebeschränkungen haben viele Einwohner an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Die Frustration über das strikte Vorgehen der Behörden hat nun die Menschen in einigen der größten Städte des Landes auf die Straßen getrieben. Sie fordern ein Ende der Lockdowns und mehr politische Freiheiten. Eine Übersicht der wichtigsten Proteste seit Anfang des Jahres:

Frustration in Shanghai

Bei einem zermürbenden Lockdown in Shanghai Ende März werden die ersten Anzeichen der Unzufriedenheit mit den Corona-Beschränkungen sichtbar. Infolge der Abriegelung kommt es zu Lebensmittelknappheit und sporadischen Protesten – beides bislang unbekannte Phänomene in Chinas reichster Metropole.

Im April verbreitet sich eine sechsminütige Videomontage mit Audioclips verzweifelter Einwohner rasend schnell in China, bevor sie zensiert wird. Im Versuch, die Zensur zu umgehen, gehen Internetnutzer zum Online-Protest über und posten das Video in verschiedenen Formaten.

Proteste auf dem Campus

Hunderte Studierende demonstrieren im Mai an einer Elite-Universität in Peking gegen die strengen Corona-Maßnahmen auf dem Campus, die den Universitätsbeschäftigten mehr Bewegungsfreiheit einräumen als den Studentinnen und Studenten. Nachdem einige Maßnahmen gelockert werden, flaut der Protest ab.

Wut auf die Banken in Henan

Bei Demonstrationen rund um einen Bankenskandal in der Provinz Henan werden Vorwürfe laut, die Behörden nutzten die Corona-Apps, um Proteste zu unterbinden. Hunderte verärgerte Bankkunden demonstrieren von Mai bis Juli in der Regionalhauptstadt Zhengzhou, nachdem vier Banken Konten eingefroren hatten und die Menschen plötzlich ohne Geld dastehen.

Einige Protestierende berichten, bei ihrer Ankunft in Zhengzhou sei der Gesundheitscode auf ihren Handys plötzlich rot gewesen. Sie werfen den Behörden vor, das System manipuliert zu haben. Um Zugang zu öffentlichen Orten und Verkehrsmitteln zu erhalten, müssen die Menschen in vielen Städten Chinas QR-Codes mit ihren Smartphones scannen.

Demonstration in Tibet

Hunderte Menschen in der streng überwachten tibetischen Regionalhauptstadt Lhasa demonstrieren im Oktober gegen einen seit fast drei Monaten andauernden Lockdown. Auf Videos ist zu sehen, wie hunderte Demonstrierende – offenbar überwiegend han-chinesische Arbeitsmigranten – durch die Straßen marschieren und fordern, nach Hause zurückkehren zu dürfen.

Brücke in Peking

Nur wenige Tage vor einem wichtigen Parteikongress der Kommunistischen Partei befestigt ein Demonstrant im Oktober zwei Transparente mit regierungskritischen Parolen an einer Brücke der Hauptstadt.

„Keine Corona-Tests, ich will meinen Lebensunterhalt verdienen. Keine Kulturrevolution, ich will Reformen. Keine Lockdowns, ich will Freiheit. Keine Anführer, ich will wählen (…)“, ist darauf zu lesen.

Der unbekannte Dissident ruft seine Mitbürger zum Streik und zur Absetzung des „verräterischen Diktators Xi Jinping“ auf.

Zusammenstöße in Guangzhou

In der südchinesischen Metropole Guangzhou kommt es im November zu Zusammenstößen zwischen Protestierenden und der Polizei, nachdem ein Lockdown wegen eines Anstiegs der Infektionszahlen verlängert wurde. Hunderte Demonstranten gehen auf die Straße, wie aus von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Online-Videos hervorgeht. Teilweise reißen sie Absperrungen nieder, die die Bewohner im Lockdown am Verlassen ihrer Häuser hindern sollen.

Die Foxconn-Proteste

In Zhengzhou in der Provinz Henan brechen an der weltgrößten iPhone-Fabrik mit mehr als 200.000 Mitarbeitern teils gewaltsame Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Corona-Beschränkungen aus. Im Bemühen, die Proteste zu beenden, bietet der taiwanische Tech-Konzern Foxconn Beschäftigten eine Abfindung von umgerechnet 1350 Euro an, wenn sie ihren Vertrag beenden.

Demonstrationen in Urumqi

Ende November gehen hunderte Menschen in Xinjiangs Regionalhauptstadt Urumqi auf die Straße und fordern ein Ende des seit drei Monaten andauernden Lockdowns. Auslöser ist ein Wohnhausbrand mit zehn Toten. Viele Internetnutzer machen Lockdown-Absperrungen für die Behinderung der Rettungsarbeiten bei dem Unglück verantwortlich. Die seltenen Proteste in der streng überwachten Region lösen eine Reihe ähnlicher Bewegungen in weiteren chinesischen Städten aus.

Quelle:
2022 AFP

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