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Japan steht vor einem königlichen Dilemma

Die alte Monarchie schrumpft

Japans kaiserliche Familie steht aufgrund eines Mangels an geeigneten Kaisern vor dem Aussterben, aber einige Experten sagen, dass die Ideen, die in einer Regierungsuntersuchung zur Erhöhung der schwindenden Zahl von Royals vorgebracht wurden, nicht mehr vorhanden sind.

Frauen sind aufgrund der Nachfolgeregelung vom Thron ausgeschlossen. Daher wird der Titel des Kaisers nicht von Naruhitos einziger Tochter Aiko übergehen, sondern an dessen Neffen Hisahito.

Sollte allerdings der derzeitig 15-Jährige Hisahito kein Sohn bekommen, geht der königlichen Familie die männlichen Erben aus, um die Blutlinie weiter fortzuführen. Dabei reicht die Geschichte der Familie mehr als 2.600 Jahre in die Vergangenheit.

Umfragen zeigen jedoch, dass die Öffentlichkeit die Idee, dass auch Frauen den Titel des Kaisers erben könne, unterstützt. Nach der japanischen Verfassung, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht, hat diese Position keinerlei politische Macht mehr, jedoch nach wie vor große symbolische Bedeutung.

Allerdings ist eine weibliche Nachfolge in absehbarer Zeit unwahrscheinlich, da besonders von konservativen Gesetzgebern und Wählern druck gemacht wird an den alten Traditionen festzuhalten. Für sie ist die Royals das perfekte Beispiel einer patriarchalischen japanischen Familie.

Derzeit arbeiten Beamte an der Lösung dieses Dilemmas und letzte Woche legte das, eigens dafür gebildete Gremium der Regierung zwei Vorschläge vor.

Der erste besagt, dass Frauen ihre Titel und öffentlichen Verpflichtungen beibehalten, sofern sie außerhalb der Familie heiraten. Aktuell müssen sie die Familie verlassen, wie Prinzessin Mako Komuro. Diese heiratete vergangenen Oktober ihren Studienfreund.

Die zweite besteht darin, Männern aus elf ehemaligen Zweigen der königlichen Familie, die in den Nachkriegsreformen abgeschafft wurden, zu ermöglichen, durch Adoption wieder in die direkte Linie einzusteigen.

Die Regelung für die männliche Abstammung solle allerdings noch solange beibehalten werden, bis Prinz Hisahito Kaiser wird. Dies geht als Empfehlung aus dem Bericht des Gremiums hervor.

Aber seine Ideen basieren „überhaupt nicht auf dem aktuellen Familiensystem in Japan oder der Idee der Gleichheit der Geschlechter“, sagte Makoto Okawa, ein Professor für Geschichte an der Chuo Universität in Tokyo, gegenüber der AFP.

„Ich glaube die Öffentlichkeit wundert sich darüber weshalb es falsch ist, dass Prinzessin Aiko den Thron erbt“, sagte Okawa, der das imperiale System erforscht.

Traditionalisten meinten Japan dürfe die „ungebrochene imperiale Linie“ nicht durchtrennen. Deren Logik ist jedoch fehlerhaft, argumentiert Okawa. Der Grund: Aiko, die dieses Jahr 20 wurde, ist sowohl die direkte Nachfahrin des Kaisers, als auch älter als ihr Cousin Hisahito.

Anspruchsvolle Standards

Hideya Kawanishi, außerordentlicher Professor für japanische Geschichte an der Nagoya Universität, warnt davor, dass die Vorschläge des Gremiums „das Problem nicht grundsätzlich lösen werden.

Auf der einen Seite möchten einige der verheirateten Frauen vielleicht kein eingeschränktes königliches Leben führen. Andererseits, wäre die Adoption männlicher Familienmitglieder, die als normale Bürger aufwuchsen, kompliziert, sagte er.

Das Thema wird schon seit Jahren diskutiert – seit Aikos Geburt. 2005 kam ein Regierungsgremium zu dem Schluss, dass die kaiserliche Erbfolge nach dem Alter erfolgen sollte und nicht nach dem Geschlecht.

Nach der Geburt von Hisahito im Jahre 2006 verlor die Diskussion allerdings an Schwung, da die männliche Blutlinie nun fortgesetzt werden könne.

Im jüngsten Panelbericht heißt es, es sei notwendig, mögliche Änderungen der Nachfolgeregelungen für die Zukunft zu diskutieren. Im Gegensatz zu 2005 werden aber nicht mehr die Worte „Kaiserin“ verwendet.

Dies bedeutet die Ehefrauen der männlichen Royals wie Hisahito, „dass sie unter Druck sehen, Jungen zu bekommen, damit die Blutlinie fortgeführt wird“, sagte Kawanishi.

Königliche Frauen haben in Japan lange einen schwierigen Weg beschritten.

Naruhitos Frau Masako, eine ehemalige hochkarätige Diplomatin, kämpfte nach ihrem Einzug in den Haushalt jahrelang mit einer stressbedingten Krankheit. Einige führten dies auf den Druck zurück, einen männlichen Erben zu produzieren.

Auch jüngere Royals unterliegen hohen Standards

Mako und ihr Ehemann Kei Komuro, beide 30, wurden von Klatsch der Boulevardpresse geplagt. Es wurde behauptet Keis Familie sei in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Bei der ehemaligen Prinzessin führte dies zu einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

Das Konzept der Kaiserin ist kein Fremdwort in Japan, immerhin sagt die kaiserliche Familie selbst, sie stamme von der legendären Sonnengöttin Amaterasu ab.

Nicht weniger als Acht Kaiserinnen gab es im Verlauf der Geschichte, auch wenn ihre Regentschaft meist nur vorübergehend war. Die letzte, Kaiserin Gosakuramachi, saß vor ungefähr 250 Jahren auf dem Thron.

Der göttliche Status der kaiserlichen Familie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben, nachdem Japan im Namen von Kaiser Hirohito militaristisch über Asien marschiert war.

Seit 1947 wird die royale Nachfolge durch das kaiserliche Haushaltsgesetzt bestimmt und bleibt ein heikles Thema, da es eng mit den Vorstellungen der nationalen Identität verbunden ist.

Heutzutage haben Politiker „Angst davor das System zu ändern“ während sie im Amt sind, sagte Kawanishi.

Nachdem Makos Hochzeit große Aufmerksamkeit erregte, könnte die Debatte unter anderem vorangetrieben werden, „wenn sich die Öffentlichkeit mehr für das Thema interessiert und auf Diskussionen drängt“, so Professor Kawanishi weiter.

 

Quelle:
2021 AFP

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