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Ehemalige japanische Soldaten verlangen Untersuchung wegen sexueller Übergriffe

Online-Petition erhält große Unterstützung und löst Flut an Anschuldigungen aus

Am Mittwoch reichte eine ehemalige japanische Soldatin eine Petition beim Verteidigungsministerium ein. Die Petition wurde von mehr als 100.000 Menschen unterschrieben und fordert eine unabhängige Untersuchung zu den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen durch ihre Kollegen.

Daten der japanischen Regierung zeigen, dass nur vier Prozent der Opfer einer Vergewaltigung das Verbrechen der Polizei melden. Der Fall ist daher ein seltenes Beispiel für eine öffentliche Anschuldigung wegen sexueller Übergriffe.

Die 22-jährige Rina Gonoi behauptet, sie sei 2021, ein Jahr nachdem sie sich den „Ground Self-Defense Forces (SFS)“ des Landes angeschlossen hatte, während einer Trainingsübung von mehreren männlichen Kollegen angegriffen worden. Die Anschuldigungen machte sie öffentlich, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre förmliche Untersuchung des Falls wegen unzureichender Beweise eingestellt hatte.

„Es gibt viele andere Menschen, einschließlich ehemaliger hochrangiger weiblicher Kollegen, die sexuelle Belästigung erlebt haben“, sagte sie Reportern nach ihrem kurzen Treffen mit Beamten des Verteidigungsministeriums in Tokyo, um die Petition einzureichen. „Ich dachte es wird sich nie etwas ändern, wenn nicht jemand aufsteht und etwas unternimmt.“

Jiro Kimura, der parlamentarische Vize-Verteidigungsminister, der die Petition erhielt, sagte, die Regierung prüfe Gonois Behauptungen.

„Das Verteidigungsministerium und die Self-Defense Forces vertreten die starke Position, dass sexuelle Belästigung niemals vorkommen kann“, erklärt Kimura.

Gonoi sagte sie erhielt keine Garantie für eine Entschuldigung seitens des Ministeriums, da ihre Anschuldigungen noch untersucht werden.

Flut an Anschuldigungen

Nach dem Tsunami im März 2011 sah die junge Gonoi Truppen, die den Bewohnern ihrer Heimatstadt Miyagi halfen. Diese Kindheitserfahrung ließ sie den Entschluss fassen, selbst zur Armee zu gehen. Im April 2020 schloss sich Gonoi den „Ground Self-Defense Forces“ an.

Ein Jahr später, wurde sie einer Gruppe für ein Ein-Monatiges-Training in den Bergen zugewiesen.

Sie behauptet, sie sei von männlichen Kollegen, die Alkohol getrunken hätten, gerufen wurden. Zwei ihrer Vorgesetzten, die über Kampfsport sprachen, wiesen ihre Untergebenen an, eine Technik auf Gonoi anzuwenden. Einer der Männer packte sie am Hals und drückte sie auf den Boden. Anschließend spreizte er gewaltsam ihre Beine und drückte wiederholt seinen Schritt gegen sie. Als der Mann fertig war, taten zwei weitere das Gleiche.

Gonoi meldet den Vorfall einem SDF-Berater für sexuelle Belästigung. Der Fall wurde untersucht und an die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung weitergeleitet. Wie die lokalen Medien berichteten, wurde Anfang des Jahres der Fall wegen unzureichender Beweise geschlossen.

Gonoi startete daraufhin eine Online-Petition und verlangte „eine faire Untersuchung, Bestrafung und Entschuldigung“. Am Mittwoch hatte die Petition bereits 106.000 Unterschriften. Außerdem löste die Petition eine Flut von über 100 Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Mobbing in den japanischen Streitkräften aus. Die Anschuldigungen werden sowohl von Frauen als auch Männern erhoben und Gonoi übermittelte sie an das Ministerium als sie ihre Petition einreichte.

Große Diskrepanz zwischen den Geschlechtern

Frauen in Japan haben Zugang zu hohen Bildungsstandards und sind in der Arbeitswelt gut vertreten. Jedoch rangiert das Land durchweg auf den niedrigen Plätzen im „World Economic Forum’s Global Gender Gap report“. Dies basiert hauptsächlich auf dem Mangel an weiblichen Politikern und Frauen in den oberen Rängen in der Wirtschaft. Hinzu kommt das Lohngefälle zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern.

Trotz eines hochkarätigen Falls, in dem eine Journalistin einen ehemaligen Fernsehreporter der Vergewaltigung beschuldigte, verlief die #MeToo-Bewegung in Japan ruhiger als in einigen anderen Ländern.

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