Biathleten hadern mit dem Material – Hoffnung auf die Staffeln

Keine Verfolgungs-Medaille für die deutschen Biathleten: Während bei den Männern Roman Rees auf Rang sechs lief, betrieben die Frauen nach dem historisch schwachen Sprint zumindest Schadensbegrenzung.

Peking (SID) Der große Abstand zur Weltspitze gab den deutschen Biathleten um Olympiasiegerin Denise Herrmann im eisigen und verschneiten Zhangjiakou arg zu denken. Herrmann haderte mit dem „gar nicht konkurrenzfähigen“ Material, der ausgelaugte und schwer enttäuschte Benedikt Doll wollte einfach „nicht an Biathlon denken“. Und auch Roman Rees erkannte nach seinem sechsten Platz in der Verfolgung direkt, dass „uns die Topnationen, die hier auch die Medaillen abräumen, ein Stück voraus sind“.

Statt mit großer Zuversicht gehen die deutschen Skijäger mit wachsender Ernüchterung und einigen Baustellen in die Olympia-Schlusswoche. Aus den ersten sieben Rennen resultiert einzig das sensationelle Einzel-Gold von Herrmann vom vergangenen Montag, nach den verkorksten Sprintrennen hatten sowohl die Männer als auch die Frauen in den Verfolgern am Sonntag nichts mit der Medaillenvergabe zu tun.

Am nächsten dran war Rees – doch selbst ihm fehlten nach starker Aufholjagd von Rang 17 knapp zwei Minuten zu Bronze. Die Frauen betrieben nach dem historisch schlechten Sprint zumindest Schadensbegrenzung, Vanessa Voigt war als beste Deutsche Zwölfte.

Doch vor allem die größtenteils schlechten Laufzeiten gaben im ungewöhnlichen Schneetreiben von Zhangjiakou nach den Gala-Auftritten der Topstars Quentin Fillon Maillet (Frankreich) und Marte Olsbu Röiseland (Norwegen) Rätsel auf. „Ich war mit dem Material sowas von gar nicht konkurrenzfähig“, sagte Herrmann in der ARD, nachdem sie sich im Verfolger trotz dreier Strafrunden auf Rang 17 vorgekämpft hatte.

Am Sonntag bedeckte ungewohnter Neuschnee die mit Kunstschnee präparierten Loipen. Diese knifflige Aufgabe lösten die Techniker nicht zur Zufriedenheit der Athleten. „Es ist natürlich nicht einfach“, sagte Herrmann: „Aber heute waren wir schon sehr weit weg von der Musik.“

Die größte Enttäuschung über 12,5 km erlebte Doll, der vor vier Jahren noch Bronze im Jagdrennen gewonnen hatte. Von Platz acht aus war er mit den besten deutschen Aussichten ins Rennen gegangen – aber gleich sieben Scheiben blieben stehen, Doll musste sich mit Platz 32 begnügen.

Jetzt will das DSV-Team den Ruhetag am Montag nutzen, um wieder zuversichtlicher Richtung Podium blicken zu können. „Wenn wir mit der Staffel um Medaillen kämpfen wollen, müssen wir noch ein bisschen am Material schrauben“, sagte Rees aber vor dem traditionellen Team-Rennen am Dienstag (10.00 Uhr MEZ).

Hoffnung gab die Laufleistung von Geburtstagskind Philipp Nawrath, der sich mit der drittbesten Zeit in der Loipe beschenkte. „Das stimmt mich doch wieder ganz zufrieden und gibt definitiv viel Selbstvertrauen“, sagte der 29-Jährige, nach sieben Fehlern auf Rang 19.

Die deutschen Frauen sammelten immerhin viel Selbstvertrauen für das Staffel-Rennen am Mittwoch (8.45 Uhr MEZ). Besonders die nach dem Sprint noch untröstliche Franziska Preuß war stark unterwegs und machte mit nur einem Schießfehler einen Sprung um 15 Plätze auf Rang 15.

„Ich habe ganz gute Gespräche geführt und das große Ganze losgelassen und die aktuelle Situation akzeptiert“, sagte die 27-Jährige und kündigte an: „Wir sind alle total motiviert für die Staffel. Hoffen wir, dass wir einen guten Tag erwischen und auch was zum Feiern haben.“

 

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Quelle:
2022 AFP

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