(c) 2020 NHK, NEP, Studio Ghibli

Review: Aya und die Hexe

Der erste Film des Neuen Ghibli Studios

Goro Miyazaki hat seinen ersten eigenen Film veröffentlicht. Unter dem Banner und dem Lebenswerk seines Vaters, führt er das bekannte und geliebte Studio Ghibli weiter. Aber er bringt neuen Schwung hinein und führt das Studio in eine neue Ära. In die Ära der digitalen Filme.

Das besondere an der Geschichte zu Aya und die Hexe, ist die erste Ausstrahlung in Japan. Denn der Film kam dort nicht auf die große Kinoleinwand – nein, er wurde im Fernsehen ausgestrahlt. Auch bei uns erscheint er nicht im Kino, sondern am 24. September 2021 direkt auf Blu-Ray und DVD.

Goro Miyazaki schafft es, gleich auf viele Arten und Weisen eine neue Ära zu beginnen, mit der viele nicht gerechnet haben.

Doch worum geht es nun in dem neuen Film, der uns hier präsentiert wird?

England um die 1990er: Aya wird als Baby von ihrer Mutter in ein Waisenhaus gebracht. In einem Brief erklärt sie, dass sie von 12 Hexen verfolgt wird und zurückkehren wird, sobald sie diese losgeworden ist. Auch wenn die Leiterin des Waisenhauses nicht an die Geschichte mit den Hexen glaubt, nimmt sie das kleine Mädchen auf und nennt es Aya, da ihr der eigentliche Name „Earwig“ überhaupt nicht zusagt.

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Zehn Jahre später hat sich Aya richtig gut im Waisenhaus eingelebt und möchte gar nicht weg von dort. Das Essen schmeckt unglaublich gut und alle tanzen nach ihrer Pfeife, besonders ihr bester Freund Pudding, der im Original übrigens Custard genannt wird, was übersetzt so viel wie „Vanillepudding“ bedeutet. Warum also sollte sie eine neue Familie wollen, wenn sie ihre Familie dort gefunden hat? Ayas Probleme beginnen jedoch, als plötzlich eine in die Jahre gekommene Frau in Begleitung eines unheimlichen Mannes, vor der Tür des Waisenhauses stehen und sie adoptieren.

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Als Aya in ihrem neuen Zuhause ankommt, wird ihr ziemlich schnell klargemacht, wer hier das Sagen hat. Und dass ihre neue „Mutter“ eine Hexe ist, die einfach nur jemand sucht, der ihr Arbeit abnimmt. So darf Aya die ganze Zeit nur Putzen und wird hin und her geschickt, was Aya zu Anfang auch nicht stört. Außerdem gibt es eine eiserne Regel im Haus: „Störe niemals Mandrakus!“.

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Unerwartet erhält sie Hilfe, als die schwarze Katze Thomas, die ebenfalls dort lebt, zu sprechen beginnt. So fasst Aya den Entschluss, etwas zu unternehmen. Ihre Zöpfchen sind dabei nicht zu unterschätzen, nicht umsonst erinnern sie an kleine Hörner eines Teufelchens.

Einige Fragen bleiben aber dennoch offen.
Wer sind die 12 Hexen? Warum wird aufgezeigt, dass es Hexen doch scheinbar gar nicht gibt, es aber dann das Normalste der Welt ist? Warum wird gerade Aya ausgesucht?

Besetzung

Charakter Synchronsprecher
Aya Zoe Durakovic (keine Anime-Rolle bekannt)
Ayas Mutter Angelina Markiefka (u.a. Nerine in Violet Evergarden)
Bella Yaga Kathrin Gaube (Celenike Icecolle Yggdmillennia, Fate/Apocrypha)
Heimleiterin Uschi Wolff (Nerine [alt], Violet Evergarden: Der Film)
Mandrake Götz Otto (Lord Piccolo, Dragonball Evolution)
Pudding Jona Timmermanns (keine Anime-Rollen bekannt)
Thomas Markus Pfeiffer (Mosuke, Shaman King 2021)
Dämon Sabine Bohlmann (Chiyo Kurihara, Prison School)

Ton

Die deutsche Synchronisation war sehr gut gewählt, besonders die Sprecherin der Hexe Bella Yaga. Auch die Stimme von Aya war gut gewählt und passte zu dem kleinen Frechdachs.

Hintergrundmusik wird nur dann eingespielt, um bestimmte Szenen zu untermalen, zum Beispiel um Mandrakus Laune zu unterstreichen. Dabei handelt es sich meistens um den Song „Don’t disturb me“ von der Band Earwig, welcher in verschiedenen Variationen abgespielt wird.

Stil

Aya und die Hexe ist der erste Film des Studios, der vollständig CGI-Animiert ist. Da der Film hauptsächlich für Kinder im Alter von 6-10 Jahren gedacht ist, ist die Animation recht einfach gehalten. Die Hexenküche ist mit den vielen Zutaten und Fläschen und allerlei herumstehenden Gerümpel, recht eindrucksvoll gestaltet. Im Vergleich dazu wirkt Ayas Zimmer sehr einfach und regelrecht leer.

Und wer erinnert sich nicht an die wundervolle Haarpracht von Disney Rapunzel? Wohl jeder, solche Details hätten wir uns für die Charaktere gewünscht. Leider wirkt die Frisur von Bella Yaga eher wie Plastik oder Gummi.

Das Besondere an Aya ist ihr Gesichtsausdruck. Von dem liebenswürdigen Mädchen, das total süß aussieht und man als Freundin haben möchte, ändert sich, sobald sie verärgert ist. In diesem Moment erinnert Aya einen direkt an eine Hexe und man möchte ihr lieber nicht zu nahekommen.

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Charakterentwicklung

Bei vielen Animes von Ghibli gibt es eine Charakterentwicklung wie beispielsweise von der schüchternen Hutmacherin zur selbstbewussten jungen Frau, die sogar einen Fluch bricht. Bei Aya und die Hexe fehlt diese Entwicklung leider völlig. Die Hauptfigur ist im Waisenhaus, wie auch bei der Adoptivfamilie, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und wie sie diesen möglichst schnell erreicht.

Aya scheint viele Dinge einfach hinzunehmen. Zu Beginn des Films wird deutlich gemacht, dass ein Großteil der Menschen nicht an Hexen glaubt. Nun eröffnet ihr ihre Adoptivmutter, dass sie eine Hexe ist und Aya nur adoptiert wurde, weil sie ein paar helfende Hände im Haus benötigt. Normale kleine 10-Jährige wären nun völlig verängstigt, aber nicht Aya. Sie meint nur „Wie toll“ und will sofort als Assistentin anfangen, damit sie selbst das Hexenhandwerk erlernen kann.

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Außerdem beginnt sie die Hexe mit Fragen zu löchern, als hätte sie keine Angst vor den Kräften von Bella Yaga. Auch über den eigentlich unheimlichen Adoptivvater sieht Aya hinweg, wohingegen ihr bester Freund sich zu sehr vor ihm gruselt. Selbst Bella Yaga scheint ihn zu fürchten, auch wenn sich dies nur auf seine Laune bezieht, wenn man ihn zu sehr nervt.

Fazit

Dennoch gibt es von uns eine klare Empfehlung, diesen Film sollte man dennoch gesehen haben. Entweder sieht man ihn als wunderbaren Familienfilm, den man bedenkenlos mit seinen Kindern sehen kann, oder als Sinnbild, wohin sich die neue Zeit entwickelt.

Der Film ist auf seine eigene Art unterhaltsam und die Zeit vergeht wie im Flug. Auch wenn das Ende ein sehr großes Fragezeichen hinterlässt, da es mit einem bösen Cliffhanger endet. Die Autorin des Romans „Earwig and the Witch“, Diana Wynne Jones, verstarb leider im Jahr 2011 unerwartet. Das Werk blieb daher unvollendet und es stellt sich die Frage, weshalb Goro Miyazaki gerade dieses Buch für sein Debüt auswählte.

Mein ganz persönliches Fazit:

Der Film ist ein wunderbarer Familienfilm, den ich mit bestem Gewissen, mit meinen Kindern gucken würde. Er hat Humor, zeigt, dass man nie Aufgeben braucht egal, wie schwer eine Situation auch erscheint und ist eine wunderbar unterhaltsame Geschichte.

Wer allerdings auf den bekannten Flair des ehemaligen Studio Ghibli hofft, wird bei diesem Film enttäuscht werden. Goro Miyazaki bringt das Studio Ghibli mit Aya und die Hexe in eine ganz neue Richtung. Es ist weiterhin ein Film, der nicht auf Gut oder Böse abzielt oder die Charaktere in vorgefertigte Schemata zwängt. Was mir leider etwas fehlt, ist eine gewisse Tiefe. Es wird viel angesprochen, worauf nicht weiter eingegangen wird.

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